Parodontitisprophylaxe

 

Leitfaden zur Parodontitisbehandlung

              Inhalt

              1. Vorwort

              2. Vorbehandlung:

                  Mundhygienisches Intensivprogramm und Diagnostik

                  Diagnostik

                  Mikrobiologische Diagnostik/Ursachenbestimmung

              3. Hauptbehandlungstermine

              4. Kontrolle des Behandlungserfolges

                  a.) Die Parodontitis ist ausgeheilt

                  b.) Die Parodontitis ist (noch) nicht ausgeheilt

              5. Partnerbehandlung

 

 

          

  1. 1.   Vorwort

 Sehr geehrte Patientin,     Sehr geehrter Patient,

Bei der Untersuchung Ihrer Mundhöhle haben wir eine Parodontitis festgestellt. Von solchen Erkrankungen des  Zahnhalteapparates sind in unterschiedlich starker Ausprägung ca. 80% der über 40-jährigen betroffen.

Eine Parodontitis ist eine schleichende Erkrankung, die Sie als Patient häufig gar nicht erkennen können. Die  Krankheit verursacht zunächst keine Schmerzen und erst im späteren  Stadium fängt das Zahnfleisch an zu bluten  und die Zähne werden locker, oftmals entsteht auch ein unangenehmer Mundgeruch, der durch Bakterien ausgelöst wird.

Gesundes Zahnfleisch liegt straff am Zahn an und erfüllt so die Aufgabe, die Zähne mithilfe des Halteapparates  fest im Mund zu verankern. Bei Ihnen hat sich jedoch das Zahnfleisch an verschiedenen Stellen vom Zahn gelöst.

So entstehen unterschiedlich tiefe Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch. Diese Stellen sind für Sie mit den üblichen Hilfsmitteln nicht zugänglich, hier bilden sich bakterielle Ablagerungen. Wenn diese Ablagerungen nicht  entfernt werden, können sich die Bakterien ungehindert vermehren und zu gravierenden Entzündungen führen.

Die sogenannte Parodontitis hat bei Ihnen schon zu einem Abbau der zahntragenden Strukturen (bindegewebige Verankerung und zahntragende Knochen) geführt und wird ohne weitere Behandlung zu Zahnverlust führen.

Die Parodontitis-Bakterien führen jedoch nicht nur zum Abbau des Kieferknochens; sie können auch die  Allgemeingesundheit nachhaltig angreifen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Patienten mit einer Parodontitis  ein höheres Risiko tragen, einen Herzinfarkt zu bekommen. Die Bakterien können in die Blutbahn gelangen und evtl. die Herzinnenwand angreifen (Endokarditis). Auch Lungenentzündungen und Schlaganfälle können unter Umständen  durch die  Bakterien ausgelöst werden. Diabetes kann nicht so erfolgreich behandelt werden, solange eine Parodontitis besteht. Ebenfalls kann eine Schwangerschaft durch Parodontitis auslösende Keime negativ beeinflusst werden (Frühgeburt ).

 Die Entstehung und der Verlauf einer Parodontitis kann verschiedene Ursachen haben. Eine entsprechende Behandlung bereits im Frühstadium ist der Weg zum dauerhaften Erhalt ihrer Zähne und ihrer gesamten  Gesundheit.

  Prof. Flemming, University of Washington, USA:

 "In der Prävention der Parodontitis besteht ein großer Nachholbedarf in Deutschland. Man kann davon ausgehen,  dass einer von 10 Erkrankten derzeit eine Behandlung erhält. Die Notwendigkeit der Behandlung dieser  paradontalen Erkrankung wird zusätzlich auch dadurch noch verstärkt, dass die paradontale Erkrankung mit  systemischen Erkrankungen, wie Herzkreislauf-Erkrankungen, aber auch der Geburt von untergewichtigen  Kindern assoziiert wird."

 

 Ihre Praxis

Dr. Stürmer-Schwichtenberg

  

 

2. Vorbehandlung:

Das Mundhygieneintensivprogramm und die Diagnostik

             

   Was passiert?

Vorreinigung der Zähne und der Zahnfleischtaschen, Politur von störenden Füllungsrändern, ausführliche  Information über Mundhygienemaßnahmen um die Zahnpflege zu optimieren.

           

  Zeitaufwand

Insgesamt ein Termin von ca. einer Stunde Dauer.

           

Einschränkung nach der Behandlung

Keine, sie könne Ihrem normalen Tagesablauf folgen. Sie brauchen keine Verhaltensregeln einzuhalten.

 Kosten

 Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung für 95,- Euro.

            

Diagnostik 

             

 Kein Patient, keine Mundhöhle ist wie die andere. Eine Parodontitis stellt sich bei jedem Patient anders dar. Deshalb muss eine Therapie immer die individuelle Gegebenheit beim jeweiligen Patienten berücksichtigen.

 Was passiert? 

Es wird ein sogenannter Parodontal-Status erhoben. Auf ein entsprechendes Formular wird der Zustand jedes einzelnen Zahnes notiert (ob er fehlt, welche Füllung er hat, etc.). Die Taschentiefen, die freiliegenden ahnwurzeln werden vermessen und eingetragen und die Lockerungsgrade der Zähne bestimmt.

Um ein differenziertes Bild vom Gesamtzustand Ihres Gebisses zu erhalten, müssen Röntgenaufnahmen erstellt werden. Mittels eines Röntgenbildes wird ein Befund über die Veränderung des Knochens erhoben.

Kosten

Im Rahmen der Hauptbehandlung durch die Krankenkasse nach Antrag.

            

Mikrobiologische Diagnostik/Ursachenbestimmung

             

Hintergrund

In unserer Mundhöhle leben hunderte Arten von Mikroorganismen. Nicht alle Bakterien sind allerdings schädlich, viele sind sogar nützlich und hilfreich. Einige Bakterien sind jedoch dafür verantwortlich, dass eine Parodontitis  entsteht. In etwa 80% der Fälle reicht die Reinigung der Zahnfleischtaschen aus,  um die Parodontitis zu stoppen.

Bei manchen Patienten liegen jedoch bestimmte sehr aggressive Keime vor, die durch mechanische Reinigung  alleine nicht beseitigt werden können. Sie dringen ins Gewebe ein und zerstören Abwehrzellen.

Mikrobiologische Diagnostik

Mittels neuer molekularbiologischer Techniken können auch in der Routine die sogenannten parodontopathogenen Markerkeime schnell und sensitiv nachgewiesen werden. Der Test ermöglicht es, die wichtigsten Bakterien zu identifizieren,  die für die Entstehung Ihrer Parodontitis verantwortlich sind. Dazu wird mit Hilfe von sterilen Papierspitzen eine Flüssigkeitsprobe aus der Zahnfleischtasche entnommen. Diese Probeentnahme ist völlig schmerzfrei und dauert einige Sekunden. Die Proben werden in ein Speziallabor geschickt und durch mikrobiologische Verfahren werden die Anwesenheit und Zahl der interessierenden Keime bestimmt.

 

Therapie bei positivem Testergebnis 

Hat der Test ergeben, dass bei Ihnen spezielle Bakterienarten in großer Zahl vorliegen, die durch eine mechanische Reinigung alleine nicht beseitigt werden können, so ist eine zusätzliche antimikrobielle Therapie sinnvoll, die sich nach  Art der jeweiligen Bakterien richtet. Möglicherweise wird eine systematische Antibiose nötig, das heißt die Einnahme eines Antibiotikums. Durch Auswertung der Testergebnisse sind wir in der Lage, das zur Bekämpfung der speziellen Bakterien optimale Antibiotikum auszuwählen. So ist gewährleistet, dass der Körper nicht unnötig  belastet wird.

 Kosten

Diese Untersuchung wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Die Kosten betragen  ca. Euro 67,-.

Übrigens

Ehepaaruntersuchungen haben aufgezeigt, dass sich die Parodontitisbakterien von einem Partner auf den anderen übertragen können. Die Ansteckungsgefahr hängt dabei von der Abwehrfähigkeit desjenigen ab, der die Bakterien empfängt. In der Regel reicht die Abwehrfähigkeit eines gesunden Menschen aus, um sich nicht     anzustecken. Ist das Immunsystem jedoch gestört, besteht Ansteckungsgefahr. Um dieser Gefahr  entgegenzuwirken, ist es ratsam, dass sich sicherhaltshalber auch der mit Ihnen in Gemeinschaft lebende Partner   oder die Partnerin einer Untersuchung auf Vorliegen einer Parodontitis unterzieht.

           

 

3. Hauptbehandlungstermine

             

Nach Abschluss der Vorbehandlung kann mit der eigentlichen Behandlung Ihres Zahnhalteapparates begonnen  werden.

Was passiert?

Die Zähne und das Zahnfleisch werden mittels spezieller Instrumente unter lokaler Betäubung gesäubert. Der sog. Biofilm, der die Parodontitis-Bakterien enthält, wird aus der Zahnfleischtasche entfernt. Mit Spezialinstrumenten  wird die Wurzel gereinigt und geglättet, so dass eine glatte Oberfläche entsteht. Diese Behandlung ist in aller  Regel effektiver als die früher durchgeführte radikale Zahnfleisch-Operation und für den Patienten deutlich   angenehmer. 

Zeitaufwand

Je nach Anzahl der behandelten Zähne und Ausprägung der Parodontitis ein bis zwei Termine mit einem Zeitaufwand von je ca. zwei Stunden.

Einschränkung nach der Behandlung

Bedingt durch die örtliche Betäubung haben Sie zunächst ein taubes Gefühl, das noch etwa 1-3 Stunden andauert.

Die Teilnahme am Straßenverkehr stellt in der Regel kein Problem dar.

Schmerzen und Schwellungen wie bei der Behandlung nach früheren Methoden sind nicht zu erwarten.

Vorsichtiges Zähneputzen ist danach möglich und notwendig.

Beim Zähneputzen kann in den ersten 2-3 Tagen ein wundes Gefühl entstehen, was ein gründliches Zähneputzen erschwert. Deshalb verschreiben wir  Ihnen für diese Zeit eine Desinfektionslösung, die 2x täglich angewendet werden sollte, aber nicht unmittelbar nach dem Zähneputzen, da Wirkstoffe aus der Zahnpasta die Wirkung  des Desinfektionsmittels aufheben können.

Nach Ausheilen des Zahnfleisches kann der Zahn insgesamt etwas länger erscheinen, das ist aber richtig und gewollt. Außerdem werden die Zähne für einige Zeit kälte- und wärmeempfindlicher sein als vorher.

Wenn die Beschwerden länger anhalten, wenden Sie sich zwecks Beratung an unsere  Prophylaxeassistentinnen!

Kosten

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Parodontitisbehandlung zu 100%. Eine solche muss der  Krankenkasse jedoch per Antrag angezeigt und genehmigt werden.

 

4. Kontrolle des Behandlungserfolges

             

Sechs bis acht Wochen nach Beendigung der Hauptbehandlung muss der Erfolg der Behandlung überprüft  werden. Das Ergebnis dieses Nachkontrolltermins entscheidet über das weitere Vorgehen.

          

a.) Die Parodontitis ist ausgeheilt

             

Die Zahnfleischtaschen haben sich zurückgebildet. Das Zahnfleisch lagert sich wie eine Manschette an den Zahn an und die Zähne haben einen stabilen Halt.

Damit der gute Zustand erhalten bleibt, ist eine optimale Mundhygiene erforderlich.


Ein Parodontitis-Gebiss ist ein lebenslanger Pflegefall


 

Im Mundraum bleiben auch bei gründlicher häuslicher Pflege immer Stellen, die Sie mit den häuslichen  Hilfsmitteln nicht erreichen können. In solchen Pflegenischen sammeln sich mit der Zeit erneut gefährliche  Plaquebakterien. Es ist daher notwendig, die Zähne in regelmäßigen Abständen einer professionellen         Reinigung zu unterziehen. Bei diesem Termin werden alle Beläge gründlich entfernt.

Wie oft eine solche Reinigung erforderlich ist, ist individuell unterschiedlich und hängt u.a. von der Tiefe der Tasche und der Zahnstellung ab. Bei manchen Patienten reicht ein Termin pro Jahr aus; bei anderen  sind Termine im Abstand von 3-4 Monaten notwendig. Welche Frequenz in Ihrem Fall sinnvoll ist, um ein optimales Ergebnis zu erhalten, wird mit Ihnen besprochen.

 Es ist wichtig, dass Sie diese Termine zur professionellen Zahnreinigung in den erforderlichen  Abständen regelmäßig und dauerhaft wahrnehmen, denn ohne diese Unterstützung stellt sich die  Parodontitis garantiert rasch wieder ein.

 Zeitaufwand

  Ca. 45-60 Minuten.

  Kosten 

Die erste Kontrolle wird über die Krankenkasse abgerechnet, alle weiteren Sitzungen  ( professionelle Zahnreinigung )  werden Ihnen dann privat in Rechnung gestellt.

 Kosten:                      Euro 95,-.

 

b.) Die Parodontitis ist (noch) nicht ausgeheilt

             

Die Zahnfleischtaschen haben sich nicht oder nicht ausreichend zurückgebildet.

Die allermeisten Parodontitisformen können durch die zuvor beschriebenen Therapiemaßnahmen ausgeheilt  werden. Es gibt allerdings auch Parodontitisformen, die durch solche Maßnahmen nicht beeinflusst werden      können, weil sie sehr weit fortgeschritten sind. Vielfach wird die Erkrankung nicht rechtzeitig genug ernst  genommen und erst im späten Stadium erkannt. In solchen Fällen müssen die  Zahnfleischtaschen im Rahmen  eines chirurgischen Eingriffs behandelt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die zum betreffenden  Zeitpunkt mit Ihnen besprochen werden.

 

 5. Partnerbehandlung

             

Noch eine Anmerkung im Falle einer Parodontalerkrankung:

Da die Erkrankung durch Bakterien verursacht wird, ist genau wie bei anderen Erkrankungen eine Ansteckung  möglich.

Es ist deshalb sinnvoll, auch den Lebenspartner der erkrankten Person auf Vorliegen einer Parodontalerkrankung  zu untersuchen, um eine schnelle Reinfektion möglichst zu vermeiden. Je nach Grad der Erkrankung des Partners  ist dann eventuell eine differenzierte Therapie auch beim Lebenspartner angebracht.

 

Raucher tragen ein erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Raucherentwöhnung ist daher wichtig in der Parodontitistherapie. 

 

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