Karies und Zunge

 

Der Weise hütet seine Zunge!

 

Erst waren es nur die Zähne, dann die Zahnzwischenräume und das Zahnfleisch - nun schwören Zahnärzte und Wissenschaftler auf die Reinigung der Zunge.

 

 "Wir wissen heute, dass Bakterien auf der Zungenoberfläche ideale Lebensbedingungen und versteckte Nischen vorfinden", sagt Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf von der Abteilung für Parodontologie der Universität Würzburg. Rund 60 Prozent der etwa 300 verschiedenen Bakterienarten, die in der Mundhöhle leben, sammeln sich auf der Zunge.

Abgesehen von den Auswirkungen für Zähne und Zahnfleisch: Die Mundbakterien  ernähren sich bevorzugt von Proteinen und kommen ohne Sauerstoff aus. Als Abfallprodukt dieses Stoffwechsels entstehen übel riechende Schwefelgerüche, konkret gesagt  Mundgeruch (Halitose). Aufgrund dieser Erkenntnisse meint auch Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer: " Bei Erwachsenen sollte die Zungenreinigung  zur täglichen Mundhygiene dazugehören."

 Also gehört nicht nur das Zähneputzen zur Kariesprophylaxe!

Was einerseits neu und revolutionär klingt, ist andererseits uralt: So reinigen sich die Menschen in Indien und China bereits seit mehr als 4.000 Jahren regelmäßig die Zunge  wenn auch nicht aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern aus religiösen Motiven. Um den Göttern gegenüber treten zu können, hielt man Körper und Seele rein.

Im Buddhismus heißt es: "Aus einem unsauberen Mund entstehen Dämonen, die sich in Form von Essenresten, Schleim und Galle auf der Zunge festsetzen und Geruch absondern." Und im siebten Jahrhundert nach Christus sprach der Prophet Mohammed zu  den Muslimen: "Ihr sollt euren Mund  reinigen, denn dies ist der Weg, Gott zu preisen:"

Die westliche Welt hinkte bezüglich der Reinigung des Geschmacksorgans lange hinterher.

Erst mit der Verbreitung der Zahnbürste zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren belegte Zungen verpönt. Den ersten europäischen Zungenreiniger stellte der Londoner Goldschmied William Pitts nach 1769 her - ein langes bewegliches Metallinstrument mit Haken und Schlaufen.

Die heutige Pharma- und Kosmetikindustrie bietet den Zungenschaber oder Zungenreiniger an, leicht und handlich, vergleichbar mit einer Zahnbürste, oder aber hat ihn in das Instrument Zahnbürste integriert. "Ein umgekehrter Löffel tut es aber auch", meint  Oesterreich, vorausgesetzt, man habe eine flache Zunge.

"So werden die Bakterien zwar abgeräumt, an der Ursache ändert das aber nichts", kritisiert Ravi Roy, indischer homöopathischer Arzt aus Murnau ("Zähne", erschienen im Lage & Roy-Verlag) die Zungenreinigung. Bei der richtigen Ernährung bilde sich kein Zahnbelag, besonders dann nicht, wenn nach den Mahlzeiten ein Glas Wasser getrunken wird. Sollten unerwartet doch mundhygienische Probleme auftreten, empfiehlt er das Ölziehen nach Dr. Karach. Wer es mit dem Öl nicht hat – vergleichbare Wirkungen können - ja nach Typ - auch Salz- oder Salbeispülungen oder aber Löwnzahn erzielen, glaubt der Homöopath.

 (Aus: Süddeutsche Zeitung, Wohlfühlen, 3/2005, Seite 44, von Carolin Fries.)

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